Reisebericht „Auf den Spuren Martin Luther´s“

Der Arbeitskreis der Gemeinde, der sich mit dem Lutherjahr befasste, hatte die Idee, eine Reise an den Heimatort und Ursprung der Reformation Martin Luther`s zu machen. Die Organisation, die bereits im Jahr 2015 begann, haben Christian, Dieter und Michael mit viel Freude und Engagement übernommen. 

 

Bei der Reise waren dabei: Christian u. Sandra mit Lukas u. Helen, Dieter u. Lilia, Michael u. Claudia, Jörn u. Regina, Ursula, Hannelore, Carsten u. Petra mit Jannik u. Hund Joko, Andreas u. Simone, Carsten u. Sigi, Herbert, Barbara, Irmgard, Hertha, Margot, Gabriele Rosa-Maria und ich, Marion.

Dann ging es endlich los! Dieter und Lilia hatten mich abgeholt und wir starteten zum ersten Treffpunkt, der Wartburg in Eisenach.  Die Wartburg ist beeindruckend, vor allem das sehr einfache Zimmer Martin Luthers. Er wurde dort unter dem Decknamen „Junker Jörg“ von seinen Anhängern versteckt und übertrug an diesem Ort in nur zehn Wochen das Neue Testament in die deutsche Hochsprache.

Es ging weiter nach Wittenberg. Für mich war es der erste Besuch in der Lutherstadt Wittenberg an der Elbe bzw. den neuen Bundesländern überhaupt. Ich bin überrascht, dass es noch immer viele leer stehende, verlassene und marode Häuser und Fabriken gibt.

Nach einem tollen Büffet am Abend im Hotel Luther ging es auf zur Schlosskirche. Dort trafen wir auf Katharina Luther und Barbara Cranach. Sie plauderten mit uns über die Bauwerke Wittenbergs und die Mannsbilder, über die es sehr viel zu berichten gab. Sie verrieten uns die Geheimnisse über all das, was hinter den dicken Mauern stattfindet und normalerweise nicht nach außen dringt.

Eine kleine, witzige Erinnerung möchte ich euch doch mit den Worten Barbara Cranach`s und Katharina Luther 's erzählen:

B: Ein Flüsschen, es plätschert ein wenig! Dies ist die Wasserversorgung für das eigene Volk!

K: Aber man muss weiter sagen: Es ist auch der Abwasserkanal der Stadt Wittenberg!

B: Und wenn die Stadt mal Bier braut, für`s Volk, was sie oft tut, dann wird erst der Herold durch die Gassen geschickt und der ruft dann aus:

K: „Leute gebet acht, dass niemand in die Bäche macht! Denn morgen wird gebraut!“

B: Und dann hat das Bier diesen naturtrüben Ton!

K: Hell und Dunkel!

Zum Wohl sage ich da nur! Es war ein sehr informativer und lustiger Abend mit Barbara und Katharina!

Der nächste Tag brach an und nach der Andacht und dem guten Frühstück wurden wir in das Lutherhaus geführt. Früher nannte man es „das schwarze Kloster“. Hier wird die Geschichte des Lutherhauses dargestellt. Man kann außerdem die Gegenstände betrachten, die bei Umbauarbeiten gefunden worden sind. Die Lutherstube hat mir am besten gefallen. Der Kachelofen erinnert mich sehr an meine neue Heimat Freiburg und den Schwarzwald. Hier gibt es noch sehr viele Kachelöfen in den Häusern. 

In der noch zur Verfügung stehenden Zeit haben Lilia und ich uns die Schlosskirche angeschaut. Sie ist von innen sehr schön gestaltet! 

Anschließend sind wir beide in das Museum der Geschichte gegangen. Hier kamen Lilia viele Erinnerungen hoch.  Es wurde das Leben zur  DDR-Zeit nachgestellt. Spielzeug, Wohnungseinrichtungen, Kindergärten, Lebensmittel und vieles mehr. Das besondere an diesem Haus war der Geruch, der bis heute nicht verloren gegangen ist! 

Weiter ging es mit „These 62 e.V.“  Ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, konfessionsübergreifend die Aussage Martin Luthers in der These 62 hervorzuheben, die als entscheidende Hilfe gilt, um über die Grundlagen des Evangeliums und das damit verbundene Leben zeitgemäß mit Christen und noch nicht im Glauben stehenden Menschen zu reden. Der Schatz der Kirche – das Evangelium von Jesus Christus – soll die christlichen Kirchen auch in unserem Jahrhundert von innen heraus erneuern und beleben. Anschließend sahen wir auch noch die Stadtkirche, die Schlosskirche, das Melanchthonhaus, das Lutherhaus, die Universitas und andere Orte.

Nach diesem straffen Tagesprogramm meldete sich der kleine Hunger und es ging zum Luthermahl in die „Alte Canzley“. Wir wurden von Martin und Katharina Luther empfangen! Das Essen war, abgesehen vom Erbsenbrei, sehr lecker. Unser Kurfürst Carsten (Voß) durfte einen Trinkspruch sagen, der da lautete: „Nicht lang Schnacken, Kopf in’n Nacken“. Dieser Spruch gefiel so keinem, also musste noch ein zweiter her! Kurfürst Carsten nicht lang gezögert: „Möge diese edle Jauche  Wellen schlagen in meinem Bauche“. Doch hiermit waren die Gäste und Martin ebenfalls nicht zufrieden, so dass Martin seine Frau Katharina um einen Trinkspruch bat. Dieser kam ihr schnell über die Lippen:

„Der Bauer sitzt am Scheunentor, pieselt durch die Ritze. Von innen fiel die Sense um und weg war seine Spitze. Ein Stummel blieb ihm noch zum Trost, Prost!“ Wir erfuhren von Martin und Katharina ganz viel aus ihrem Leben, doch dies würde hier den Rahmen sprengen. Der Tag endete mit einem Cocktail im Hotel! 

Der letzte Tag der Reise begann mit der Andacht und einem guten Frühstück. Wir starteten durch zum 360-Grad-Panorama, welches der Maler und Architekt Yadegar Asisi errichtet hat. Es ist ein Riesenbild, welches aus ganz vielen Einzelbildern zu einer Collage zusammengestellt wurde. Dieses gigantische Bild, mit der Größe 15 Meter x 75 Meter (Höhe x Breite),  ist wie ein Bilderbuch, das zum Betrachter spricht. Es zeigt Luther´s faszinierendes Leben in Bildern!

Darauf zu sehen ist das Leben des Mönchs und Gelehrten, der durch seine 95 Thesen die Reform der katholischen Kirche auslöste und damit eine dramatische Bewegung in Gang setzte. Dieses Ereignis prägt die Welt bis heute.

Zur Mittagsandacht sind wir in die Stadtkirche gegangen. Sie ist das älteste Gebäude der Stadt Wittenberg. Die Botschaft der Reformation ging von  hier  aus in die Welt. Martin Luther predigte in dieser Kirche zur Gemeinde. Das älteste Ausstellungsstück der Kirche ist das Taufbecken aus dem Jahre 1457. Der Reformationsaltar, gestaltet von Lucas Cranach, zeigt vier unversehrt erhalten gebliebene Bildtafeln mit den Grundzügen evangelischen Gemeindelebens und reformatorischen Kirchenverständnisses.   Von besonderem Reiz ist, dass uns hier Menschen aus dem Wittenberg der Reformationszeit entgegentreten. Philipp Melanchthon bei der Taufe, Luther als Junker Jörg, Johannes Bugenhagen im offenen Beichtstuhl, Lukas Cranach und Katharina von Bora als Gemeindemitglieder und Martin Luther als Prediger. 

Nach einer ausgedehnten Mittagspause trafen wir uns bei einem Fahrradverleih. Von dort aus startete eine geführte Radtour.

Die Strecke führte zur Luthereiche und über den Bahnhof zum Hundertwasser-Gymnasium bzw. Luther-Melanchthon-Gymnasium (Europaschule). Hier hätte ich auch gerne Unterricht genommen. Die Schule ist sehr einladend. Die Wittenberger gewannen die Unterstützung Hundertwassers. Er sprach von einer „bewaldeten, wandelbaren Dachlandschaft, wo die Vielfalt der Spontanvegetation sich mit der Kreativität der Menschen vereint, wo Kinder sich entfalten können, wie die Blätter der Bäume des Waldes, der auf dem eigenen Dach wächst“. 

Weiter ging es zur Werkssiedlung Piesteritz. Die Siedlung war für Familien, die seinerzeit im nahegelegenen Stickstoffwerk arbeiteten. Es war zudem die erste autofreie Siedlung Deutschlands! Es ging weiter an das Elbufer, eine wunderschöne Landschaft. 

Auf dem Rückweg schauten wir noch im Luthergarten vorbei. Hier sollen bis 2017 laut dem Zitat Luthers: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen“ 500 Bäume gepflanzt werden! Für jedes Reformationsjahr ein Baum und vor allem Apfelbäume. Von oben betrachtet sieht der Mittelpunkt des Baumgartens wie eine Lutherrose aus. 

Die Lutherrose: „ Das erste sollte ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten mich selig macht. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt. Darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im Himmel farbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig. Und um solch Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich ist über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste, köstlichste Erz ist“. 

Nach der tollen Radtour waren wir alle hungrig und fielen ins Brauhaus ein. Dort gab es ein sehr leckeres Büffet in gemütlicher Atmosphäre. Der Abend neigte sich dem Ende zu und wir trafen uns noch zu einem Absacker im Hotel. Es stand die Abreise bevor. Nach der Andacht und einem kräftigen Frühstück brachen wir auf. 

Ich möchte mich ganz herzlich bei Dieter und Lilia für die Mitfahrgelegenheit bedanken sowie auch bei Christian, der die ganze Organisation innehatte. Vor allem aber danke ich der ganzen Gemeinde, dass ich dabei sein durfte! 

Gottes reichen Segen für euch alle!
Liebe Grüße Marion Buschmann