Flachländer in den schottischen Highlands

Auf dem Spring Festival drückte mir ein Mitarbeiter von "Der 4te Musketier e.V."  einen Flyer in die Hände und erzählte mir von einem sog. Charakterwochenende. Er erzählte, dass man an diesen Wochenenden viele Kilometer wandern würde, aber dass die längste Strecke, die man überwinden müsste, die 30 cm vom Kopf zum Herzen sei. Das hat mich neugierig gemacht und so kam es, dass ich mich Ende April 2018 gemeinsam mit Harald, Bernd und Michael nach Wochen der Vorbereitung im Flugzeug nach Edinburgh wiederfand. Unser Vorhaben: die Teilnahme am 4M Charakterwochenende in den schottischen Highlands.

 

Wir waren auf eine Outdoor Trekking Tour vorbereitet. Was wir aber in den folgenden vier Tagen erlebten, ging weit über das Erwartete hinaus. Gemeinsam mit fünf weiteren Männern aus Düsseldorf, Langenfeld und Essen bildeten wir ein Team, mit dem wir die vier Tage in den Highlands verbrachten. Zu neunt wanderten wir viele Stunden lang durch die Weiten der Highlands. Nur abends trafen wir mit den anderen ca. 200 Teilnehmern zusammen, um gemeinsam ein Camp zu errichten. Der Rucksack – gepackt mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Essensrationen, Trinkwasser und einigen anderen Dingen – wog ca. 18 kg und zerrte an den Schultern.

Obwohl wir überwiegend tolles Wetter hatten, waren unsere Schuhe innerhalb kürzester Zeit vollständig durchnässt, denn der Boden war von wochenlangem Regen so nass, dass wir mit jedem Schritt ein paar Zentimeter tief in ihn einsackten. Nach vielen Kilometern und Höhenmetern schwanden die Kräfte und die Füße schmerzten.

An einem Morgen wurden wir noch vor Sonnenaufgang von einem Dudelsackspieler geweckt und mussten dann feststellen, dass es nachts gefroren hatte. Die Zeltplanen und auch unsere nassen Wanderschuhe waren vollständig gefroren. Zwangsläufig stellt man sich da irgendwann die Frage, warum man sich das alles freiwillig antut. Aber diese Frage wurde auf dem Weg beantwortet. Wir wurden mit unfassbar schönen Einblicken in Gottes Schöpfung belohnt: keine Straßen, keine Häuser, keine Wege, nicht mal Trampelpfade; schier unendliche Weiten; glasklare Bäche; schneebedeckte Berggipfel… aber das war noch nicht alles. Mit jedem Kilometer wuchsen wir als Team enger zusammen und Freundschaften entstanden.

Mehrere Male am Tag trafen wir an besonderen Orten auf Mitarbeiter von 4M, die uns mit kurzen Predigten und sehr persönlichen Berichten Anregungen, Fragen und Gedanken mit auf den Weg gaben. Manches Mal haben wir uns im Team zu dem Input von 4M ausgetauscht. Manches Mal sind wir kilometerlang schweigend gewandert, so dass Zeit war intensiv über den Input oder auch andere Dinge nachzudenken. Viele Teilnehmer haben an diesem Wochenende Entscheidungen getroffen. Manche haben entschieden, Dinge hinter sich zu lassen. Andere haben entschieden, neue Dinge anzugehen, schwierige Situationen endlich zu lösen, Verantwortung in der Familie, der Gemeinde oder anderen Lebensbereichen zu übernehmen. In einer sehr intensiven Lobpreisnacht unter Sternenhimmel und einem bewegenden Abschlussgottesdienst mit vielen persönlichen Zeugnissen war uns Gott präsent. Aber nicht nur dort. Auch auf dem Weg in schwierigen Situationen, die wir als Team in diesen Tagen meistern mussten. Und  in vielen kurzen Augenblicken, wie z.B. dem Moment am letzten Tag, als wir auf dem Weg zu den Bussen durch ein Dorf wanderten und eine alte Frau freudestrahlend vor ihr Haus lief und uns zurief „God bless you! God bless you!“.

 

Falls Du jetzt denkst, dass Du so etwas auch mal erleben möchtest: Gehe es an, denn Abenteuer erlebst Du nur selten auf dem Sofa.

Und wenn Dir nun der Gedanke kommt, Dein Mann sollte so etwas auch mal machen … schenke es ihm zum nächsten Fest. In unserem Team waren zwei Männer dabei, die von ihren Frauen zu dem Wochenende angemeldet wurden … beide sind auch im Nachhinein ihren Frauen sehr dankbar und haben wirklich davon profitiert.

Sascha Emondts